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Was als Abwasserbehandlung begann, entwickelte
sich zum Altlasten-Problem

Fast 100 Jahre lang wurden in Berlin-Buch ungeklärte
Abwasser verrieselt. In den letzten 20 Jahren,
bis zur Einstel-lung der Verrieselung im Jahr 1985,
etwa 10.000 mm/a; -das entspricht in etwa
dem 20-fachen Jahresniederschlag. Heute finden sich
auf den tonarmen, sandigen Ausgangssedimenten Regosole
mit durchschnittlich 15-60 cm (teilweise bis 100 cm)
mächtigen humosen Horizonten, die eine hohe Schwermetall-
und Organikabelastung aufweisen.
Anfangs schien die Lösung genial: Man verbessert
die hygienische Situation in der Stadt und erhöht
durch die hohen Gehalte an organischer Substanz, die
im Abwasser enthalten waren, die Bodenfruchtbarkeit
der sandigen, ertragsarmen Böden im Umland von
Berlin. Die Rieselfelder sollten der Gemüsegarten
Berlins werden. Doch schon bald nach dem Beginn der
Abwasserbehandlung gesellten sich zu den Haushaltsabwässern
auch die ungeklärten Abwässer der in Berlin
ansässigen Handwerks- und Industriebetriebe. |
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Diese Abwässer früher Industrieansiedlungen
enthielten große Mengen an Schwermetallen. Später
kamen dann auch organische Schadstoffe hinzu. Bis
in die vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts waren
sich die Menschen der schädlichen Wirkung von
Schwermetallen kaum bewusst. So wurden neben den Nährstoffen
und der orga-nischen Substanz auch hundert Jahre lang
Schadstoffe mit verrieselt.
Die Schadstoffe wurden überwiegend partikular,
an organische Abwasser-inhaltsstoffe gebunden, in
den Boden eingetragen. Damit läßt sich
heute auch die enge Beziehung zwischen der organischen
Substanz im Boden und den gemessenen Schadstoffgehalten
erklären.
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Über Jahrzehnte hatten die Landbewirt-schaftung
und der kontinuierliche Zustrom von basischem Abwasser
den größten Teil der Schwermetalle vor einer
Verlagerung in das Grundwasser bewahrt. Mit der Inbetriebnahme
des Klärwerkes Schönerlinde wurden die Rieselfelder
um Buch überflüssig. Zwischen 1984 und 1985
wurden sie größtenteils eingeebnet. Die Bodenlockerung
führte im Oberboden zu einer starken Mineralisation
und Versauerung. Dabei sanken die pH-Werte von etwa
6 auf aktuelle Werte von pH 4.5 bis 5.5. |
Die
pH-Absenkung hat zu einer Mobilisierung von Schwermetallen
und deren Verlagerung in den ersten Grundwasserleiter
geführt. Parallel dazu wurden durch die Mineralisation
in großem Maße Nitrat, Sulfat und DOC gebildet
und ebenfalls verlagert. Die Tiefenversauerung
unterhalb von 150 cm wurde wahrscheinlich durch
die Oxidation von Metallsulfiden zu Sulfat, nach der
Einstellung der Verrieselung, und dem Absinken der Grundwasserstände,
verursacht. Sie führt dazu, dass mobilisierte Schwermetalle
in der Tiefe nahezu nicht zurückgehalten und mit
dem Sickerwasser verlagert werden (HOFFMANN & RENGER
1998). |
In
Bereichen in denen bei der Umgestaltung nur flachgründige
Bodenbewegungen stattgefunden haben, finden sich zum
Teil mehrere Dezimeter mächtige Schlammablagerungen
mit organischen Substanzgehalten von etwa 50 %.
In diesen Schichten treten Konzentrationen von mehreren
Gramm pro Kilogramm Blei, Kupfer und Zink sowie bis
zu 200 mg/kg Cadmium auf. |
Die Schwermetallkonzentrationen
in der Bodenlösung überschreiten die Prüfwerte
für den Pfad Boden-Grundwasser der Bundes-Bodenschutz-
und Altlastenverordnung (BBodSchV) für die Elemente
Cadmium (Cd), Kupfer (Cu) und Zink (Zn).
Auch nach dem Brandenburger Landesabfallgesetz (§ 29.4)
stellen diese Flächen großflächige,
kontaminierte Altlastenstandorte dar. Bei einer Orientierung
an der Berliner Liste (SenStadtUm 1996) bzw. der BBodSchV
(1999) müssen Rieselfeldböden unter anderem
als eine Gefährdung für die Schutzgüter
Mensch und Grundwasser bewertet werden.
Deshalb besteht heute Handlungsbedarf, da sich die Schwermetalle
derzeit noch größtenteils im Oberboden befinden,
und Sanierungs- bzw. Sicherungsmaßnahmen deswegen
zurzeit noch einfacher und kostengünstiger durchzuführen
sind. |
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