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Kurzbiografien wichtiger
Persönlichkeiten bei der Entwicklung der Abwasserbehandlung
in Berlin
"Rudolf Ludwig Karl
Virchow (1821-1902)
entstammt
einer wohlhabenden pommerschen Bauernfamilie, welche ihm ermöglichte
sein Abitur 1838 abzuschließen. Innerhalb von 4 Jahren studierte
und promovierte er am Berliner Friedrich-Wilhelm-Institut
in Medizin. Nach der Habilitation und einem kurzen Aufenthalt
an der Universität Würzburg übernahm Virchow 1856 die Leitung
der Pathologie in der Berliner Charite. Mit seinen grundlegenden
Arbeiten zur Geschwulst- und Entzündungsforschung gilt er
als Begründer der modernen Zellpathologie. Virchow war gleichzeitig
ein engagierter Politiker, Mitbegründer der linksliberalen
deutschen Fortschritts-partei (1861) und 40 Jahre in Folge
Stadtverordneter in Berlin. Er galt als Gegner Bismarks im
preussischen Verfassungskonflikt und war ein liberaler Kritiker
der Kirche. In Dingen des Krankenhauswesens, der Desinfektion,
der Hygiene sowie dem Kanalisationsbau war seine Stimme meist
von ausschlaggebender Bedeutung. Zwischen 1861 und 1868 leitete
er die Deputiertenversammlung zur Planung und zum Bau der
Kanalisation Berlins und der Rieselfelder.
In einem
Gutachten zur Einführung der Kanalisation schrieb Virchow
damals:
"Staat und Stadt erhalten ihren
Wert nur durch die Menschen und ihre Arbeit. Aller Reichtum,
alle Bedeutung der Stadt wie des Staates beruht in letzter
Instanz auf der Tätigkeit ihrer Bewohner. Kann es daher einen
größeren Verlust geben als den Verlust an Menschenleben? Man
braucht sich gar nicht auf den humanen oder christlichen Standpunkt
zu stellen, rein volkswirtschaftlich betrachtet, sind Krankheit
und Tod für die Familie wie für die Gemeinde und den Staat
Unglücksfälle.
Sie soweit als möglich fernzuhalten ist eine der ernstesten
Aufgaben, welche nur da verkannt werden kann, wo Menschenleben
überhaupt nichts Wert sind. [...] Der Staat, welcher die allgemeine
Bildung anstrebt, sollte auch die allgemeine Gesundheit anstreben.
Erst Gesundheit, dann Bildung. Kein Geld ist rentabler angelegt
als dasjenige, welches für die Gesundheit aufgewendet wird."
Virchow, Rudolf (1868): Über
die Kanalisation von Berlin. Gutachten der Königlich
Wissenschaftlichen Deputation für das Medicinalwesen
nebst einem Nachtrag.
James Friedrich Ludolf Hobrecht
(1825-1902)
wurde
in Memel geboren und hatte ursprünglich die Absicht nach
der Schule Bauer zu werden. Im Alter von 16 begann er mit
einer Ausbildung zum Landvermesser und schloss dannach auch
sein Abitur ab. Sein zweijähriges Studium an der Berliner
Bauakademie schloss Hobrecht 1849 ab. Seine ersten Tätigkeiten
lagen im Bereich des Eisenbahnbaus in Ostpreussen. Ab 1858
arbeitet er in Berlin und konzipierte das Radial- und Ringstrassensystem
in Friedrichshain. Bis 1862 wurde Prenzlauer Berg nach dem
Hobrecht-Plan bebaut. 1860 wurde er als ortskundiger Mitarbeiter
in die Arbeitsgruppe von Wiebe bei der Planung der Berliner
Kanalisation und begleitete ihn auf verschiedene Studienreisen.
1861 verfasste er den berühmt-berüchtigten "Hobrecht-Plan
für eine Bebauung der Umgebung Berlins" der eine
Welle von Bodenspekulationen nach sich zog. 1869 wurde er
zum leitenden Techniker ernannt und betreute in den folgenden
28 Jahren als Chefingenieur den Bau der Berliner Kanalisation.
1873 wird sein System der Rieselfelder jener Variante von
Wiebe vorgezogen, das Kanalisationswasser direkt in die Spree
einzuleiten. Fast alle größeren deutschen Städte,
aber auch Moskau, Alexandria, Kairo und Tokio nutzten sein
umfangreiches Wissen im Kanalisationswesen. Ihm zu Ehren wurde
1908 ein neues Rieselgut im Norden Berlins Hobrechtfelde genannt.
Friedrich Eduard
Salomon Wiebe (1804-1892)
wurde in Ostpreussen geboren
und begab sich als junger Mann nach Berlin. Neben seiner Ausbildung
an der Bauakademie studierte er an der Universität Mathematik
und Physik. 1836 wurde er Baumeister und sammelte Erfahrungen
bei Planung und Ausführung verschiedener Militär-
und Eisenbahnbauten in Deutschland, Belgien, Frankreich und
England. Zwischen 1838 und 1850 war er die meiste Zeit mit
dem Ausbau des Eisenbahnnetzes vom Rhein bis nach Ostpreussen
beschäftigt. Gemeinsame Studienreisen mit Hobrecht nach
England und Frankreich führten dazu das sich Wiebe in
den folgenden Jahren verstärkt um die Verbesserung von
Kanalisation und Gesundheitstechnik kümmerte. Die Gemeinsame
Arbeit mit Hobrecht bildete die Grundlage für die Planung
des Berliner Kanalisationsnetzes 1861. Die Entwässerung
von Danzig wurde 1872 nach dem Wiebe-Plan gebaut. Für
die Städte Frankfurt a.M., Breslau, Königsberg,
Basel und Triest war er noch bis zu seinem Tode als Berater
in Fragen der Stadtreinigung tätig.
August Leopold
Crelle (1780-1855)
aus Wriezen studierte
Mathematik und Ingenieurwesen. Das Bauhandwerk erlernter er
autodidaktisch. Nach Tätigkeiten in Westfalen 1816 in
die Oberbaudeputation nach Berlin gerufen und war dort für
den Strassenbau zuständig. Später arbeitete er als
Mathematiker für das Unterrichts-ministerium. Ab 1836
war er nebenamtlich Direktor der Berlin-Potsdamer Eisenbahn
AG. Ab 1840 begann sein Engagement für eine geordnete
Wasserversorgung und Kanalisation. Er legte damit einen Grundstein
für die weitere Arbeit Virchows.
Carl Arnold
Marggraff (1834-1915)
geborener Berliner, war
nach seiner Schul- und Ausbildungszeit zunächst als Apotheker
in Berlin tätig. Ab 1867 war er Mitglied der Stadtverordneten-versammlung,
1872 wurde er Stadtrat. In seinen 40 Jahren politischer Tätigkeit
war er unter anderem für Hochbau Stiftungen und Schulen
zuständig. Sein Hauptinteresse lag jedoch in der Arbeit
der Kanalisationsdeputation deren Leitung er 1877 übernahm.
Im Zusammenarbeit mit Virchow und Hobrecht organisierte er
den Bau der Entwässerungsanlagen und den Ankauf sowie
die Verwaltung der Rieselgüter. Ihm zu Ehren wurde 1911
das Gut Marggraffshof geschaffen.
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